Seefahrerdenkmal in Lissabon Portugal 

Tomb of Henry the Navigator

Back of Prince Henry the Navigator, Lisbon

Prince Henry the Navigator

Portugal: Heinrich der Seefahrer

Am Südwest-Zipfel des europäischen Festlandes, im Ort Sagres, kann der Algarve-Urlauber einer der abenteuerlichsten Episoden der portugiesischen Geschichte nachspüren. Dort in einer schroffen Küstenfelsenlandschaft hatte der später als „Heinrich der Seefahrer“ berühmte Infant Henrique (Heinrich), viertgeborener Sohn von König Joao (Johann) I., in den 1430er Jahren am Kap Sao Vicente seine auch „ Villa Tercanabal“ genannte, bis heute erhalten gebliebene „Nautische Akademie“ errichtet.

Der junge, sehr gebildete und durchaus Luxus liebende Henrique (1394-1460) hatte sich nach Kriegseinsatz gegen die Mauren in Nordafrika (1415) in Sagres und Lagos als bestallter Gouverneur der Algarve eine Basis geschaffen, von der aus er einen kühnen Plan verwirklichen wollte. Er wollte Verbindung zu dem christlichen Herrscher von Abessinien aufnehmen und so die Kräfte im gemeinsamen Kampf gegen die islamischen Reiche bündeln. Henrique plante, schrittweise an den west- und ostafrikanischen Küsten Stützpunkte zu errichten. So sollte der Seeweg nach Indien wie nach Abessinien gefunden werden. Für die Verwirklichung dieses Projekts der Erkundung bis dahin unbekannter Gewässer und Küsten stattete Henrique zahlreiche Expeditionen aus. Das notwendige nautische Know-how wurde den mutigen Schiffsführern unter anderem in Sagres vermittelt. Ab 1433 hatte sich Henrique ganz vom Lissaboner Hofleben zurückgezogen und in der Algarve auf Dauer niedergelassen. In seiner Akademie entwickelte er durch Übernahme arabischer Segel- und Mastformen für die portugiesischen Schiffe den für Entdeckungsfahrten optimal geeigneten Segelschiffstyp der Karavelle. Auch wurde in Sagres das für die Navigation überaus nützliche Astrolabium entwickelt.

Zunächst wurde mit der Wiederentdeckung und Einverleibung von Madeira und Porto Santo (1419/20) die notwendige Flankendeckung gesichert. Später (1427-1432) wurden auf Betreiben von Henrique die Azoren entdeckt und kolonisiert. Die von Henrique beauftragten Seefahrer tasteten sich beim historischen „Kapspringen“ von Kap zu Kap an der westafrikanischen Küste entlang. 1434 meisterte Gil Eanes die bis dahin für unmöglich eingestufte Umseglung von Kap Bojador (heute Teil der Region Westsahra).

Beim Tod von Henrique (1460 in Sagres), der trotz seines Beinamens nie selbst mit auf einer dieser Expeditionen mitgefahren war, wehte die portugiesische Fahne an der Küste des Golfs von Guinea und auf den Kapverden. Portugiesische Stützpunkte wie San Jorge da Mina (Guinea) waren wirtschaftlich bedeutende und moralisch verrohte Zentren des Sklavenhandels. Die geheimen Logbücher („Roteiros“) der von Henrique beauftragten Kapitäne wurden archiviert und bildeten lange einen unschätzbar wertvollen Wissensvorsprung für die portugiesische Vorherrschaft in afrikanischen Gewässern.

Heinrich der Seefahrer hatte die Grundlage geschaffen für das portugiesische Afrika-Reich, das bis Mitte der 1970er Jahre bestanden hat. Vor allem stellte aber Henrique o Navegador die Weichen für die epochale Entdeckung des Seewegs nach Indien um das Kap der Guten Hoffnung herum (Vasco da Gama 1498). Portugal stieg in Folge von einem ärmlichen Staat zu einer der reichsten Handelsnationen der Welt auf.

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